Liebe Frau Dr. von Below,
wir haben die Idee der Abwicklung über Darlehenskassen der
Studentenwerke auch deshalb nicht weiterverfolgt, weil die
Darlehenskassen mit nur ganz wenigen Mitarbeiter/innen bei einem
Massengeschäft überfordert wären. Beim BAföG hingegen gibt es
eingespielte und sicher funktionierende Abläufe.
Hingegen sind die Jobcenter schon jetzt hoffnungslos überlastet
https://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/arbeitslos-corona-jobcenter-hilfe-1.4867003
Aber nun zu den Fallzahlen. Eine Unbekannte ist, wie viele Jobs
weggefallen sind und wie viele neue Jobs annehmen konnten. Die Frage ist
auch, ob es sich bei den neuen Jobs um solche handelt, die während der
Verschiebung des Vorlesungsbeginns möglich waren und sich für ein
studienbegleitendes Jobben gar nicht eignen.
Bislang jobbten 67 % der Studierenden (Deutsche/Bildungsinländer) neben
dem Studium, an Nr. 1 der Motive für Erwerbstätigkeit - trifft für 43 %
voll und ganz zu -, weil es notwendig für den Lebensunterhalt ist.
Studierenden-Jobs fallen jetzt während Corona-Pandemie aber massenweise
weg.
„Trifft zu“ nannten weitere 16 % (zusammen 59 %).
Bei den internationalen Studierenden bejahen sogar 75 % die
Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit für den Lebensunterhalt. (Bild 5.13
SE-Sonderbericht)
67 % von 2,5 Mio, Studierende (ohne Verwaltungs- und
Bundeswehr-Hochschulen) sind etwa 1,675 Mio. erwerbstätige Studierende.
Davon bejahen eine knappe Million Studierende (500.000) die
Notwendigkeit der Erwerbstätigkeit für ihren Lebensunterhalt.
Wie hoch der Anteil der studentischen Jobs ist, die aufgrund von Corona
nicht mehr existieren, kann nicht gesagt werden.
Angenommen, es wäre die Hälfte. Davon könnten ¼ in neuen Jobs sein, die
aber z.B. gegenüber Jobs in der Gastronomie (Trinkgeld) - um Einnahmen
in der gleichen Höhe zu erzielen - eine höhere Stundenzahl erzwingen.
Dann blieben ¼ der Studierenden (250.000), deren Job weggefallen ist.
< BILD (Siehe 5-1 neu) >
Aus der niedrigen (12 %) und mittleren (36 %) Bildungsherkunft erzielen
30 % aus Erwerbstätigkeit, aus der hohen Bildungsherkunft nur 20 %.
D.h. 48 % aller Studierenden (Deutsche/Bildungsinländer) erzielen fast
ein Drittel - 30 % - ihrer Einnahmen über Erwerbstätigkeit.
< BILD (Siehe 5-1 neu) >
Der Finanzierungsanteil aus Erwerbstätigkeit steigt je Alter von 13 %
auf 49 % an.
S. 46 der 21. SE: Mindestens 577.000 Studierende, die kein BAföG
erhalten, haben wahrscheinlich einen Unterhaltsanspruch gegenüber ihren
Eltern. Von diesen Studierenden stehen 123.000 Studierende monatlich
weniger als 500 € aus Elternleistung bzw. Sockelfinanzierung zur
Verfügung.
Erwartungsgemäß gehen die meisten dieser Studierenden (84 %) neben dem
Studium einer Erwerbstätigkeit nach, so dass sich deren Einnahmen
durchschnittlich aus 319 € Sockelfinanzierung und 512 € eigenen
Verdienst zusammensetzten.
Insgesamt könnte die Zahl der Studierenden, die eine schnelle
Soforthilfe benötigen, zwischen 200.000 und 375.000 liegen.
Herzliche Grüße
Deutsches Studentenwerk (DSW)
Monbijouplatz 11
D-10178 Berlin